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Medien PRAXIS - Das point Reportage Sendungs-Blog


Februar 2026

Der Platz

Aus­strah­lung am Sonn­tag, dem 1. März 2026 um 19:30, 21:30 und 23:30 Uhr auf Fran­ken Fern­se­hen im Ka­bel und im Live­stream und um 21:45 Uhr auf Fran­ken Plus

Während der Sommermonate vergnügen sich die Kinder im begehbaren Brunnen vor der Baustellenkulisse. Manche Anwohner empfinden das unrhythmische Plätschern als Zumutung.

Mit­ten im Her­zen der Süd­stadt klafft seit Jah­ren ein Loch. Der Auf­seß­platz ist ein Ort in der War­te­schlei­fe. Ei­nen Som­mer lang rich­tet der neue Do­ku­men­tar­film von Cher­i­ma Na­sa den Blick auf die Men­schen, die den Platz täg­lich nut­zen.

Hinter dem Gitter des Bauzauns ist eine Wasserlandschaft entstanden. Auf einer Demonstration am Platz wird u.a. der Erhalt des »Aufseßsees« gefordert.

Die Bau­gru­be mar­kiert den Still­stand. Gleich da­ne­ben or­ga­ni­sie­ren sich die Rou­ti­nen des All­tags. Män­ner­grup­pen tref­fen sich re­gel­mä­ßig, vie­le mit Mi­gra­ti­ons­er­fah­rung. Kin­der ra­deln über das Pfla­ster, sprin­gen über­mü­tig in die Brun­nen am Platz. Ak­ti­vi­sten vom So­li­da­ri­täts­netz­werk for­dern den ra­schen Bau von gün­sti­gem Wohn­raum.

Eine Gruppe Obdachloser und Trinker hat sich in einer schattigen Nische des Platzes eingerichtet. In den Sommermonaten treffen sie sich hier täglich.

Für Men­schen oh­ne fe­sten Wohn­sitz ist der Auf­seß­platz ein Stück Zu­hau­se. Was in der öf­fent­li­chen De­bat­te oft pau­schal und ab­wer­tend eti­ket­tiert wird, be­deu­tet für sie ei­ne ver­läss­li­che Ge­mein­schaft im öf­fent­li­chen Raum.

Rosie war seit vielen Jahren nicht mehr am Aufseßplatz und steht traurig vor der Brache. Hier stand das Kaufhaus, in dem sie lange als Verkäuferin gearbeitet hatte.

Es gibt auch die­je­ni­gen, die den Platz mit Weh­mut be­trach­ten, wie Ro­sie, die jahr­zehn­te­lang Ver­käu­fe­rin im längst ab­ge­ris­se­nen Kauf­haus war und jetzt vor ei­ner »Was­ser­pfit­schen« steht.

Marco ist blind. Sein Freund Marco geleitet ihn mit dem elektrischen Rollstuhl über den Platz; sie gehören zum Stammpublikum.

Die Freun­de Da­ni­el und Mar­co tref­fen sich re­gel­mä­ßig am Platz und freu­en sich, dass „hier im­mer was los ist“ und „man sich nicht ver­stel­len muss“.

Eine alte Frau und ein Mädchen scherzen im Schatten der Bäume am Spielplatz. Dass sie verschieden Sprachen sprechen, bedeutet für die ungleichen Freundinnen keine Barriere.

Der Film ver­schweigt die Span­nun­gen nicht. Er zeigt das Ne­ben­ein­an­der von Fa­mi­li­en und Ob­dach­lo­sen, von alt­ein­ge­ses­se­nen An­woh­ne­rin­nen und Neu­an­kömm­lin­gen. Er zeigt Miss­trau­en und Vor­ur­tei­le. Doch er be­ob­ach­tet auch, wie das Zu­sam­men­le­ben – oft lei­se und un­spek­ta­ku­lär – täg­lich aus­ge­han­delt wird.

Hinter dem unzureichenden Sichtschutz herrscht seit Jahren Stillstand; die Baugrube wird vom Volksmund längst als »Lago di Aufseß« verspottet.

Ein Film von Cher­i­ma Na­sa  •  Län­ge: 30 Min.

Februar 2026

Ret­tet St. Mi­cha­el! – 50 Jah­re Für­ther Alt­stadt­ver­ein

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Die Für­ther Alt­stadt rund um St. Mi­cha­el gilt heu­te als Aus­hän­ge­schild und ei­nes der schön­sten Vier­tel der Stadt. Dass es die­sen Stadt­teil über­haupt noch gibt, ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Denn vor 50 Jah­ren stand ge­nau die­ses Vier­tel vor dem Aus.

Abrissarbeiten im Gänsbergviertel Anfang der 1960er-Jahre: Ein historisch gewachsener Teil der Fürther Altstadt wird im Zuge der Flächensanierung vollständig abgetragen und markiert einen Wendepunkt in der Fürther Stadtgeschichte – und den Ausgangspunkt für den späteren Widerstand im Viertel rund um St. Michael.

In den Jahr­zehn­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg präg­ten Flä­chen­sa­nie­rung und die Idee der au­to­ge­rech­ten Stadt die Stadt­pla­nung. Auch in Fürth. Ob­wohl die Alt­stadt den Krieg fast un­ver­sehrt über­stan­den hat­te, wur­de 1958 über das be­nach­bar­te Gäns­berg­vier­tel ei­ne Bau­sper­re ver­hängt, 1962 be­gann der Ab­riss. Ein hi­sto­ri­scher Teil der Alt­stadt ver­schwand.

Sanierung des Goldenen Schwans - bei zahlreichen Sanierungen legten Mitglieder des Altstadtvereins selbst Hand an – die Expertise und vor allem Man- und Womanpower im Verein war vorhanden.

Vor die­sem Hin­ter­grund for­mier­te sich Wi­der­stand. 1974 schlos­sen sich en­ga­gier­te Für­the­rin­nen und Für­ther zu­sam­men und grün­de­ten we­nig spä­ter die Bür­ger­ver­ei­ni­gung Alt­stadt­vier­tel St. Mi­cha­el Fürth – den heu­ti­gen Alt­stadt­ver­ein. Ihr Ziel: die Alt­stadt wie­der­zu­be­le­ben und wei­te­ren Ab­riss zu ver­hin­dern.

Erster Fürther Grafflmarkt 1975 auf dem Waagplatz. Was als Flohmarkt beginnt, wird zu einem zentralen Instrument gegen den drohenden Abriss.

Zu­nächst ging es dar­um, über­haupt wie­der Men­schen in das Vier­tel zu brin­gen. Be­reits 1975 or­ga­ni­sier­te der Ver­ein den er­sten »Graf­fl­markt« – ei­ne Ver­an­stal­tung, die sich im Lau­fe der Jah­re fest im Stadt­le­ben ver­an­ker­te.

Auch heute wird der Grafflmarkt von Vereinsmitgliedern vorbereitet – getragen von ehrenamtlichem Engagement und gemeinsamer Organisation.

Nach und nach ge­lang es, Auf­merk­sam­keit für das Vier­tel zu schaf­fen und Haus­be­sit­zer da­von zu über­zeu­gen, in die al­ten Ge­bäu­de zu in­ve­stie­ren. Der Ver­ein un­ter­stütz­te da­bei nicht nur be­ra­tend. Von Be­ginn an war das En­ga­ge­ment stark eh­ren­amt­lich ge­prägt, vie­le Mit­glie­der leg­ten selbst Hand an.

Vereinsmitglieder bereiten die Teilnahme des Vereins am Kirchweihzug vor. Auf dem Kirchweihzug wird Kuchen verteilt – „Bonbons werfen kann ja jeder – wir sind schon was Besonderes.“

Die Ein­nah­men aus dem Es­sens- und Ge­trän­ke­ver­kauf beim Graf­fl­markt und an­de­ren Ver­an­stal­tun­gen, dar­un­ter die seit 1981 statt­fin­den­de Alt­stadt­weih­nacht, flos­sen in die Ver­eins­ar­beit. So konn­te der Alt­stadt­ver­ein auch klei­ne­re fi­nan­zi­el­le Bei­trä­ge zu Sa­nie­run­gen lei­sten. Rund 50 Häu­ser wur­den auf die­se Wei­se im Lau­fe der Jah­re mit Un­ter­stüt­zung des Ver­eins in­stand ge­setzt.

Zum Jubiläum wird die eigene Geschichte sichtbar gemacht – mit Archivmaterial, Erinnerungen und Bildern aus 50 Jahren Vereinsarbeit.

Der Alt­stadt­ver­ein misch­te sich im­mer ein, wenn un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen im Vier­tel auf­ein­an­der­tra­fen – et­wa bei Fra­gen der Nut­zung, der Ga­stro­no­mie oder der Nah­ver­sor­gung. Be­reits 1979 for­der­te der Ver­ein ei­nen Knei­pen­stopp. Jahr­zehn­te spä­ter wur­de die Gu­stav­stra­ße er­neut zum Ort von Aus­ein­an­der­set­zun­gen um Lärm und Nut­zung. Da­bei sprach der Alt­stadt­ver­ein nicht im­mer mit ei­ner Stim­me. Als Zu­sam­men­schluss un­ter­schied­li­cher In­ter­es­sen ge­hör­ten kon­tro­ver­se Dis­kus­sio­nen eben­so zur Ver­eins­ge­schich­te wie der Ver­such, sie aus­zu­hal­ten und wei­ter­zu­ar­bei­ten.

Beim Kirchweihzug greift der Altstadtverein auf Motive aus seiner eigenen Geschichte zurück. Alte Plakate und Bilder erinnern daran, dass viele heutige Selbstverständlichkeiten einst umkämpft waren.

Wir ha­ben den Alt­stadt­ver­ein im Ju­bi­lä­ums­jahr be­glei­tet. Der Film er­zählt die Ge­schich­te ei­nes Ver­eins, der seit sei­ner Grün­dung für bür­ger­li­ches En­ga­ge­ment steht – und sich bis heu­te für die Er­hal­tung und Wei­ter­ent­wick­lung der Für­ther Alt­stadt en­ga­giert.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Dezember 2025

De­mo­kra­tie als Le­bens­auf­ga­be – Sil­via Gauss und Tim Wil­ly We­ber

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Vor 30 Jah­ren, im De­zem­ber 1995, er­hielt Me­di­en PRAXIS e.V. ei­ne Sen­de­li­zenz für die Me­tro­pol­re­gi­on Nürn­berg. Un­se­re er­ste POINT Sen­dung, da­mals noch 13:30 Mi­nu­ten lang, be­schäf­tig­te sich mit der Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den auf kom­mu­na­ler Ebe­ne. Wir be­glei­te­ten den Om­ni­bus für di­rek­te De­mo­kra­tie, der da­mals im ganz Bay­ern un­ter­wegs war, um für die Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den zu wer­ben.

Tim Willy Weber und Silvia Gauß sitzen am Tisch und schauen gemeinsam die erste POINT-Reportage von 1995 auf einem Bildschirm.

Die Kam­pa­gne, die von mehr als 50 Bür­ger­initia­ti­ven, Ver­bän­den und Ver­ei­nen un­ter­stützt wur­de, hat­te Er­folg. Trotz mas­si­vem Ge­gen­wind von Sei­ten der CSU stimm­ten Bay­erns Bürger*innen am 1. Ok­to­ber 1995 für die Ein­füh­rung von Bür­ger­ent­schei­den in Bay­ern. Seit­dem wur­den in Bay­ern mehr als 3.700 Bür­ger­be­geh­ren in­iti­iert, von de­nen über 2.300 zu ei­nem Bür­ger­ent­scheid führ­ten.

Archivaufnahme von 1995: Silvia Gauß und Tim Willy Weber sammeln mit dem Omnibus für Direkte Demokratie Unterschriften für ein Volksbegehren.

Zu den Men­schen, die da­mals die Kam­pa­gne un­ter­stütz­ten, ge­hör­ten Sil­via Gauss und Tim Wil­ly We­ber. Tim fand über ein Prak­ti­kum beim »OMNIBUS für di­rek­te De­mo­kra­tie« zum Ver­ein Mehr De­mo­kra­tie e.V., für den er sich dann vie­le Jah­re auf Bun­des­ebe­ne en­ga­gier­te. Sil­via Gauss, die Kunst stu­diert hat­te, kam über den Künst­ler Jo­seph Beu­ys und sei­nen Be­griff der »so­zia­len Pla­stik« zum Om­ni­bus für di­rek­te De­mo­kra­tie. Auch sie en­ga­gier­te sich vie­le Jah­re für »Mehr De­mo­kra­tie e.V.«, un­ter an­de­rem im Bun­des­vor­stand. Wäh­rend der ge­mein­sa­men po­li­ti­schen Ar­beit ha­ben sich die bei­den ken­nen und lie­ben ge­lernt. Heu­te le­ben sie in dem Flecken Ot­ters­berg in Nie­der­sach­sen. Wir ha­ben die bei­den be­sucht und woll­ten wis­sen, wie sie heu­te zu ih­rem da­ma­li­gen En­ga­ge­ment ste­hen.

Tim Willy Weber schüttelt Ferhat Ercan vor dessem neu eröffneten Imbiss »Otters Gemüsekebap« die Hand. Repräsentationstermine wie dieser gehören zum Bürgermeisteralltag.

Tim ist seit 2020 Bür­ger­mei­ster von Ot­ters­berg. Als Chef der kom­mu­na­len Ver­wal­tung ist er heu­te Teil der re­prä­sen­ta­ti­ven De­mo­kra­tie. Bis heu­te ist er aber auch ein Freund von di­rekt­de­mo­kra­ti­schen Be­tei­li­gungs­for­men ge­blie­ben und sieht die­se nicht als Ge­gen­mo­dell, son­dern als er­gän­zen­des Ge­stal­tungs­in­stru­ment.

Tim Willy Weber sitzt an seinem Schreibtisch im Rathaus und telefoniert, vor ihm stehen mehrere Bildschirme und Unterlagen.

Sil­via Gauss hat sich in­zwi­schen aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den aus der über­re­gio­na­len Po­li­tik zu­rück­ge­zo­gen. Die Idee der Mit­be­stim­mung be­glei­tet sie aber wei­ter­hin. Für sie be­ginnt De­mo­kra­tie im di­rek­ten Zu­sam­men­le­ben, bei­spiels­wei­se in ih­rer Ar­beit als Ge­schäfts­füh­re­rin ei­nes Wal­dorf­kin­der­gar­tens.

Silvia Gauß beugt sich gemeinsam mit einer Kollegin über ein Beet im Garten des Waldorfkindergartens, in dem sie seit 15 Jahren Geschäftsführerin ist.

Ne­ben der Ar­beit im Kin­der­gar­ten en­ga­giert sich Sil­via Gauss im »Raum«, ei­nem of­fe­nen Dorf­treff­punkt. Hier kom­men Men­schen zu­sam­men, um zu dis­ku­tie­ren, zu ar­bei­ten, zu­zu­hö­ren oder ein­fach nur da zu sein. Ein Ort für ge­leb­te De­mo­kra­tie im Klei­nen.

Mehrere Menschen sitzen in einem Stuhlkreis in einem gemütlichen Raum, auf einem Tisch liegen gestrickte Figuren. Donnerstags treffen sich Frauen zum Handarbeiten.

Der Film greift die In­hal­te der er­sten POINT-Re­por­ta­ge auf und fragt bei zwei der da­ma­li­gen Akteur*innen nach, wie sie heu­te zu ih­rem frü­he­ren En­ga­ge­ment ste­hen. Er er­zählt von po­li­ti­schem Ein­satz, der sich ver­än­dert, oh­ne zu ver­schwin­den – und von De­mo­kra­tie als Hal­tung, die über die Jahr­zehn­te hin­weg Teil des po­li­ti­schen Le­bens bleibt.

Tim Willy Weber fährt mit einem Lastenfahrrad auf einer Straße durch eine ländliche Umgebung, das Gewerbegebiet Ottersberg-Bahnhof.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 29:50 Min.

Hier könnt Ihr die Re­por­ta­ge an­schau­en!

November 2025

Vom Le­ben und Los­las­sen – Der Für­ther Fried­hof

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Sonntagnachmittag am Friedhofscafé: Ehrenamtliche stellen Kaffee und Kuchen bereit, Besucherinnen sitzen im Schatten und kommen miteinander ins Gespräch.

Vie­le Men­schen ge­hen da­von aus, dass ein Fried­hof vor al­lem ein Ort des Ab­schieds, der Stil­le, der Trau­er ist. Doch wer heu­te über den Für­ther Fried­hof geht, merkt schnell, dass hier weit mehr pas­siert. Er ist Er­in­ne­rungs­ort, öf­fent­li­cher Raum, Treff­punkt – und Spie­gel ei­ner Stadt, in der Men­schen ganz un­ter­schied­lich mit Ver­lust, Ri­tua­len und dem ei­ge­nen Äl­ter­wer­den um­ge­hen.

Eine junge Frau sitzt im muslimischen Grabfeld auf einer Bank, spielt Ukulele und singt ein Mantra – »warum nicht - bei der Vielfalt der Religionen, die hier schon herrscht?«

In »Vom Le­ben und Los­las­sen« ge­hen wir der Fra­ge nach, was ei­nen Fried­hof im 21. Jahr­hun­dert ei­gent­lich aus­macht. Mit der Ka­me­ra ha­ben wir uns un­ter die Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher ge­mischt – oh­ne Ver­ab­re­dung, nur mit der of­fe­nen Fra­ge »Was führt Sie hier­her?«

Eine Frau gießt das Grab ihres Mannes. Für sie als gläubige Christin ist dieser Ort wichtig – »einfach so unter einem Baum wäre nichts für mich«.

Aus spon­ta­nen Be­geg­nun­gen ent­ste­hen Ge­sprä­che über fa­mi­liä­re Prä­gun­gen, über Nä­he und Di­stanz, über das Er­in­nern – und dar­über, war­um die­ser Ort für man­che Trost spen­det und für an­de­re eher ein Stück Stadt­all­tag ist.

Ein 83-jähriger Fürther pflegt das Urnengrab seiner verstorbenen Frau im Kleeblattfeld: »Sie war zwar Nürnbergerin, aber das passt – keine Probleme«.

Der Film zeigt den Für­ther Fried­hof als le­ben­di­gen so­zia­len Raum: vom mus­li­mi­schen Grab­feld über das eh­ren­amt­lich be­trie­be­ne Fried­hofs­ca­fé bis hin zu Men­schen, die hier fe­ste Ri­tua­le pfle­gen oder ein­fach nur ei­nen stil­len Weg durch die Stadt su­chen.

Ein älteres Ehepaar gibt sich auf einer Bank einen Kuss – die beiden erzählen, dass sie seit über fünfzig Jahren zusammen sind und kommen jeden Sonntag ins Café, »wenn das Wetter passt«.

Die Re­por­ta­ge er­zählt da­von, wie Er­in­ne­rung, All­tag und Be­geg­nung heu­te ne­ben­ein­an­der exi­stie­ren – und was die­ser Ort über die Stadt, ih­re Bewohner*innen und ih­re Ge­schich­te of­fen­bart.

Jeden Sonntag kommt er mit seinem Motorrad zum Friedhof, um am Grab seines Vaters eine Kerze hinzustellen. »Damit mein Papa weiß, dass wer an ihn denkt«.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas, Cher­i­ma Na­sa und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

Oktober 2025

Zwi­schen Alt­stadt und Ron­hof – Der Für­ther Fried­hof

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Einige Fussballfans auf dem Weg über den Friedhof in den Sportpark Ronhof, im Hintergrund ein großes Kreuz mit Jesusfigur, umgeben von Bäumen und Gräbern.

Zu sei­ner Er­öff­nung 1882 lag der Für­ther Fried­hof noch au­ßer­halb der Stadt – heu­te ist er ei­ne grü­ne Oa­se der Ru­he, ein Ort der Ge­schich­te und Be­geg­nung mit­ten in der Stadt – und an Spiel­ta­gen der »schön­ste, ru­hig­ste und kür­ze­ste« Weg für Fans der Spiel­ver­ei­ni­gung in den Sport­park Ron­hof. Für vie­le Fürther*innen ge­hört der Be­such von ver­stor­be­nen Freun­den und Fa­mi­li­en­mit­glie­dern auf dem Weg zum Fuß­ball da­zu.

Friedhofsgärtner Harald Bartilla sitzt am Steuer eines Fahrzeugs auf dem Fürther Friedhof bei einer Tour über das Gelände.

Ha­rald Bar­til­la ist hier seit 30 Jah­ren Fried­hofs­gärt­ner­mei­ster und hat viel zu er­zäh­len. Bei ei­ner Tour im Golf­cart über den 25h gro­ßen Fried­hof zeigt er uns die Ent­wick­lung des Ge­län­des und den Wan­del der Be­stat­tungs­kul­tur. Bar­til­la er­zählt von neu­en For­men des Er­in­nerns, von Bio­to­pen, Ur­nen­fel­dern und denk­mal­ge­schütz­ten Grä­bern, die zu Ge­mein­schafts­an­la­gen um­ge­stal­tet wer­den.

Felix Geismann steht vor dem denkmalgeschützten Grab seines Ur-Ur-Großvaters und zeigt auf die Grabstatue - eine weibliche Figur mit Palmwedel »Die Trauernde an der Tür zur Ewigkeit« – in der Familie Geismann nur »der Engel« genannt.

Fe­lix Geismanns Fa­mi­lie ge­hört ei­nes der über 300 denk­mal­ge­schütz­ten Grä­ber auf dem Für­ther Fried­hof. Für ihn ist der Fried­hof ein »Buch der Er­in­ne­rung«. »Hier, wo die Men­schen so wirk­lich rich­tig tot sind, sind sie auch ei­gent­lich am ein­zi­gen Ort so wirk­lich le­ben­dig, weil, wo fin­det man noch die Na­men, wo er­in­nert man sich noch an die­se Men­schen, die teil­wei­se schon 100, 120 Jah­re tot sind?«

Hanne Wiest steht mit einer Gießkanne am frisch bepflanzten Grab ihrer Eltern auf dem Fürther Friedhof. Sie berührt eines der Holzkreuze und verabschiedet sich.

Han­ne Wiest kommt re­gel­mä­ßig zum Grab ih­rer El­tern. Sie be­pflanzt die Flä­che selbst – mit Blu­men, Boh­nen und Na­sch­erd­bee­ren. Sie wünscht sich, dass auf dem Fried­hof künf­tig auch Obst- und Ge­mü­se­pflan­zen er­laubt wer­den und Kon­zer­te und Kul­tur hier statt­fin­den. Schon als Kind war sie mit ih­rer Groß­mutter auf dem Fried­hof un­ter­wegs, heu­te kommt sie mit ih­ren En­keln. »Die spre­chen mit Oma und Opa, gie­ßen, na­schen Erd­bee­ren – so bleibt der Fried­hof ein Ort des Le­bens.«

Friedhofsgärtner Harald Bartilla und Redakteurin Julia Thomas von hinten sitzend in einem Golfcart, Blick auf einen von Bartilla und seinem Team gestalteten Teil des Friedhofs – dem Garten der Vielfalt – wo auch extra ein Feld für Fans der Spielvereinigung geschaffen wurde.

Der Film be­glei­tet Men­schen, die den Fried­hof auf un­ter­schied­li­che Wei­se prä­gen – als Ar­beits­ort, Er­in­ne­rungs­ort und Teil ih­res Le­bens.

Ein Film von Ju­lia Tho­mas, Cher­i­ma Na­sa und Tho­mas Stei­ger­wald  •  Län­ge: 30 Min.

August 2025

Nürn­berg und sein Ka­nal – Mil­lio­nen­grab oder Was­ser­stra­ße mit Zu­kunft?

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Auf dem Kanal sind kaum noch Frachtschiffe zu sehen.

Der Main-Do­nau-Ka­nal ist un­be­strit­ten ei­ne der gro­ßen In­ge­nieurs­lei­stun­gen des 20. Jahr­hun­derts. Ei­ne Was­ser­stra­ße, die den Main mit der Do­nau und da­mit auch die Nord­see mit dem Schwar­zen Meer ver­bin­det. Doch drei­ßig Jah­re nach sei­ner Fer­tig­stel­lung fällt die Bi­lanz er­nüch­ternd aus.

Die über 300 Meter lange Hafenbrücke in Nürnberg wird abgerissen und muss erneuert werden.

Am Ha­fen Nürn­berg, ei­nem der größ­ten Gü­ter­ver­kehrs­zen­tren Süd­deutsch­lands, zeigt sich, wie tief die Bin­nen­schiff­fahrt in der Kri­se steckt. Wo einst Mil­lio­nen Ton­nen an Koh­le, Erz oder Dün­ger um­ge­schla­gen wur­den, lie­gen die Kais heu­te oft leer. 2023 wa­ren es noch rund 2,5 Mil­lio­nen Ton­nen, im Ver­gleich zur Schie­ne ein Bruch­teil. Wäh­rend LKW und Bahn im­mer schnel­ler und fle­xi­bler ge­wor­den sind, kämpft das Bin­nen­schiff mit lan­gen Trans­port­zei­ten, War­te­pha­sen an den Schleu­sen und sin­ken­der Nach­fra­ge.

Der Hafen ist ein trimodales Güterverkehrszentrum und bringt Güter von der Straße auf die Schiene oder das Schiff.

Gleich­zei­tig ver­schlingt der Er­halt der Was­ser­stra­ße enor­me Sum­men. Brücken müs­sen ab­ge­ris­sen und neu ge­baut wer­den, Schleu­sen wer­den für hun­der­te Mil­lio­nen sa­niert. Kri­ti­ker wie der BUND Na­tur­schutz spre­chen von ei­nem öko­lo­gisch wie öko­no­misch ge­schei­ter­ten Pro­jekt, ei­nem »Mil­lio­nen­grab« mit­ten in Bay­ern. Sie ver­wei­sen auf die mas­si­ven Ein­grif­fe in Na­tur und Land­schaft, auf ent­wäs­ser­te Feucht­ge­bie­te und ver­lo­re­ne Ar­ten­viel­falt.

Der Bund Naturschutz war von Anfang an gegen den Bau des Main-Donau-Kanals.

Und doch: Der Main-Do­nau-Ka­nal bleibt Teil der eu­ro­päi­schen In­fra­struk­tur – und er er­lebt ei­nen Wan­del. Die Con­tai­ne­ri­sie­rung hat neue For­men der Lo­gi­stik her­vor­ge­bracht, und im Fluss­tou­ris­mus zeigt sich ei­ne Ent­wick­lung, die nie­mand über­se­hen kann. 2024 leg­ten in Nürn­berg 750 Kreuz­fahrt­schif­fe mit rund 100.000 Pas­sa­gie­ren an. Für die Stadt ein wach­sen­der Wirt­schafts­fak­tor, für die Gä­ste aus al­ler Welt ein er­ster Ein­druck von Nürn­bergs Ge­schich­te und Kul­tur.

Die Flusstouristik boom. Mittlerweile legen in Nürnberg mehr Kreuzfahrtschiffe als Frachtschiffe an.

Die Re­por­ta­ge wirft ei­nen Blick auf ein Bau­werk vol­ler Wi­der­sprü­che: zwi­schen sin­ken­dem Fracht­ver­kehr und boo­men­der Kreuz­schiff­fahrt, zwi­schen ho­hen In­ve­sti­tio­nen und ei­ner un­si­che­ren Zu­kunft.

Die Binnenschifffahrt steht vor großen Herausforderungen und muss sich erneuern um zu überleben.

Ei­ne fil­mi­sche Be­stands­auf­nah­me über die Be­deu­tung des Main-Do­nau-Ka­nals heu­te und die Fra­ge, wel­che Rol­le er mor­gen noch spie­len kann.

Ein Film von Nor­bert Gold­ham­mer  •  Län­ge: 30 Min.

Juli 2025

UNSER AMERIKA – 80 Jah­re Amis in Bay­ern

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Auf dem Army-Stützpunkt Hohenfels im Landkreis Neumarkt wird jedes Jahr ein Volksfest gefeiert – mit eigenem Bierkrug

Am En­de des Zwei­ten Welt­kriegs ka­men die Ame­ri­ka­ner als Be­sat­zer nach Bay­ern. Es war der Be­ginn ei­ner span­nungs­rei­chen Wech­sel­be­zie­hung, bei der sich das Kräf­te­ge­wicht im­mer wie­der ver­schob. In die­sem Film be­ge­ben wir uns auf die Spu­ren­su­che zu 80 Jah­ren Deutsch-Ame­ri­ka­ni­scher Ver­gan­gen­heit – an der Schwel­le zu ei­ner noch un­ge­wis­sen Zu­kunft.

Fürth-Kenner Bernd Jessusek (r.) zeigt Redakteur Peter Romir die Gustavstraße, durch die in den 50er Jahren noch Panzer rollten.

Der Start der Be­zie­hung war durch­aus schwie­rig: In Fürth fie­len die Be­sat­zer vor al­lem als trink- und rauf­freu­di­ge Un­ru­he­stif­ter auf – de­nen schließ­lich so­gar der Zu­gang zur Alt­stadt un­ter­sagt wer­den muss­te.

Er sieht Deutsche und Amis wie eine Familie: Col. Stephen C. Flanagan, Leiter der Militärbasen Hohenfels, Grafenwöhr und Vilseck

Heu­te ist das Ver­hält­nis ent­spann­ter. Im Stütz­punkt Ho­hen­fels fei­ern Deut­sche und Ame­ri­ka­ner je­des Jahr ein ge­mein­sa­mes Volks­fest und schau­en sich ge­gen­sei­tig Tra­di­tio­nen ab.

Stammgast im Fürther Stadtpark: Der Musiker George Kobrick kam nach Deutschland, als die Mauer fiel

Doch seit der zwei­ten Prä­si­dent­schaft von Do­nald Trump wird das Ver­hält­nis wie­der an­ge­spann­ter. Man­che Ame­ri­ka­ner, wie Ge­or­ge Ko­brick, füh­len sich des­halb in­zwi­schen in Deutsch­land mehr zu Hau­se als in Ame­ri­ka.

Jetzt erst recht: Trotz der Politik der aktuellen amerikanischen Regierung bestückte Katy Davis im Amerikahaus ein spezielles LGBTIQ+-Regal

Auch das Deutsch-Ame­ri­ka­ni­sche In­sti­tut im Ame­ri­ka­haus Nürn­berg spürt den Kul­tur­wan­del: Be­schäf­ti­gung mit Di­ver­si­tät oder Min­der­hei­ten ist nicht mehr of­fi­zi­ell er­wünscht – fin­det aber trotz­dem noch statt.

Ein Film von Pe­ter Ro­mir •  Län­ge: 30 Min.

Juni 2025

In ru­hi­gem Fahr­was­ser – Un­ter­wegs mit der Jo­han­nes von Ne­po­muk

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Tobias Zöller, Kapitän der Johannes von Nepomuk (rechts), im Gespräch mit einem der zwei Leichtmatrosen an einem Schleusenaufenthalt.

Er stammt aus ei­ner Fa­mi­lie mit sie­ben Ge­ne­ra­tio­nen Bin­nen­schiff­fahrt, hat Lo­gi­stik stu­diert, ist frisch­ge­backe­ner Va­ter – und lebt für sei­nen Job, der gleich­zei­tig Be­ru­fung ist:

Die 200 Meter lange Johannes von Nepomuk liegt bei Sonnenaufgang an der Schleuse Knetzgau, nordwestlich von Bamberg.

To­bi­as Zöl­ler ist Ka­pi­tän auf dem Schub­ver­band Jo­han­nes von Ne­po­muk, der Tau­sen­de Ton­nen Raps­schrot, So­ja­boh­nen oder Ei­sen­erz zwi­schen Rot­ter­dam, Bam­berg und Osi­jek in Kroa­ti­en be­wegt.

Der Main-Donau-Kanal verbindet die Wasserstraßen von der Nordsee bis zum schwarzen Meer miteinander.

Doch sein Be­ruf ist mehr als ein Trans­port­un­ter­neh­men: Es ist ei­ne Le­bens­art zwi­schen Tech­nik, Na­tur und fa­mi­liä­rer Ver­ant­wor­tung. Die Re­por­ta­ge be­glei­tet To­bi­as durch Schleu­sen, Werft­auf­ent­hal­te und lan­ge Fahr­ta­ge auf dem Main-Do­nau-Ka­nal.

An einer der vielen Schleusen zwischen Bamberg und Kelheim muss das Schiff sicher festgemacht werden.

Sie zeigt, wie aus ei­nem tra­di­tio­nel­len Hand­werk ein hoch­kom­ple­xer Be­ruf ge­wor­den ist, der mit Fach­kräf­te­man­gel, bü­ro­kra­ti­schen Hür­den und In­ve­sti­ti­ons­druck für grü­ne An­trie­be kämpft. Aber auch, wie ent­schleu­nig­ter Trans­port auf dem Was­ser ei­ne nach­hal­ti­ge Ant­wort auf ver­stopf­te Stra­ßen sein kann.

Auch das gehört zur Binnenschifffahrt: Die Nepomuk liegt an der Helling in der Werft in Erlenbach. Sie wird dort wird technisch überholt und wieder fit gemacht.

Der Bin­nen­schif­fer To­bi­as Zöl­ler be­rich­tet vom All­tag an Bord, von Leicht­ma­tro­sen aus der Ukrai­ne, von Re­hen, die durchs Was­ser schwim­men – und von Kind­heits­er­in­ne­run­gen auf dem Schiff, das frü­her für ihn auch Aben­teu­er­spiel­platz war. Er kennt die tech­ni­schen Fein­hei­ten sei­nes Mo­tors eben­so wie die Her­aus­for­de­run­gen ei­ner fa­mi­liä­ren Work-Life-Ba­lan­ce auf dem Was­ser.

Über 2000 Tonnen Rapsschrot werden am Hafen Nürnberg gelöscht.

Ein ein­drück­li­ches Por­trät ei­nes Man­nes zwi­schen Ver­gan­gen­heit und Zu­kunft. Es zeigt, wie mo­der­ne Bin­nen­schiff­fahrt funk­tio­niert – und war­um das ru­hi­ge Fahr­was­ser zwi­schen hek­ti­schen Stra­ßen und oft ma­ro­den Glei­sen noch ei­ne Zu­kunft ha­ben kann.

Der Verkehr auf dem Main-Donau-Kanal ist eher überschaubar und mit den großen Binnenschifffahrtswegen beispielsweise auf dem Rhein nicht zu vergleichen.

Ein Film von Nor­bert Gold­ham­mer  •  Län­ge: 30 Min.

Hier könnt Ihr die Re­por­ta­ge an­schau­en!

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